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Der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl" ist aus der 1990 am Gymnasium Michelstadt gegründeten Schülerinitiative gleichen Namens hervorgegangen. Seit 1993 besteht er als e.V.. Der Verein sieht seinen Zweck darin, humanitäre Hilfe zur Linderung der Folgeprobleme der Atomreaktorkatastrophe von Tschernobyl von vor Fünfzehn Jahren zu leisten. Er will Kontakte nach Weißrussland aufbauen und unterstützen, um über die direkte Hilfe hinaus einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten.

Inzwischen haben sich die Tätigkeiten des Vereins sehr weit von der Schülerschaft des Gymnasiums Michelstadt gelöst und die Ziele werden derzeit von einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung aus allen Orten des Odenwaldes unterstützt.

Die gesamte Arbeit

leisten die Vereinsmitglieder ehrenamtlich und bewältigen ihre durch die Satzung festgelegten Aufgaben über Spenden.

Engagement

Wie in den zurückliegenden zehn Jahren sollen im diesem Sommer wieder Tschernobyl-Kinder in den Odenwald kommen. Die gemeinsamen Kosten des Besuchs (Busfahrt, Versicherungen) wurden und müssen weiterhin durch Spenden an den Verein finanziert werden. Die Gastgeber tragen die gesamten Kosten für Unterbringung, Verpflegung und sonstiger Nebenausgaben, ohne daß ihnen aus Vereinsmitteln Zuschüsse gezahlt werden. Mehr noch: Es gab Jahre in denen sich die Gastgeber sogar damit einverstanden erklären mussten, dass sie die Defizite bei Transport- oder Versicherungskosten aufbringen.

Mit dem diesjährigen zwölften Besuch hat der Verein dann etwa eintausendvierhundert Mal Kindern aus der Tschernobyl-Gegend den Besuch im Odenwald ermöglicht.

Das belarussische Ensemble für alte Musik „Kantabile" aus Minsk gab während seiner Besuche im Odenwald regelmäßig Benefizkonzerte und trug somit zur Umsetzung der Vereinsziele bei.

Im Herbst 1994 und im Frühjahr 1995 und 2001 organisierte der Verein für drei Gruppen von Odenwälder Gastgebern Reisen zu den Tschernobyl-Kindern. Die Kosten wurden selbstverständlich von den Teilnehmern selbst getragen. Damit konnten sich die Teilnehmer ein Bild von der Notwendigkeit jedweder Unterstützung machen. Bei diesen Besuchen in Weißrussland wurde bestätigt, dass die oben genannten Ziele des Vereins realistisch sind und tatsächlich realisiert wurden. Die Odenwälder konnten sich einen Eindruck verschaffen von den Leistungen, die sie erbracht haben und dass die vielen Spenden in die richtigen Hände gelangt waren. Sie sahen, dass die Kinder bei uns in von Radioaktivität unbelasteter Umgebung sowohl körperlich gesundeten und vor allem psychischen Auftrieb erfahren. Zudem wurden die Beziehungen gefestigt, die bei vielen Familien schon seit Jahren halten.

Hiermit wurde beidseitig die in der Satzung festgeschriebene Völkerverständigung praktiziert.Aus dieser Kurzdarstellung geht hervor, dass der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl e.V." auf das Engagement der Mitglieder und Sponsoren angewiesen ist.

Zu einzelnen Details: Die höchste Belastung, die in Deutschland gemessen wurde, betrug etwas über 1 Ci/km² (Bayern)!

Die mit mehr als 1 Ci/km² (Cäsium 137) belastete Fläche sind 23% der Gesamtfläche von Belaruß. Der Reaktor von Tschernobyl liegt auf dem Territorium der Ukraine. Der radioaktive Fallout bewegte sich mit den Wolken in den ersten 2-3 Tagen in nördliche Richtungen. Am 30. April hat sich die Windrichtung von Norden nach Osten geändert. Entsprechend der Richtung der Wolkenbewegungen breitete sich die radioaktive Spur auf der Erdoberfläche aus. Besonders betroffen sind in Belaruß die Bezirke Mogilow und Gomel. Auch außerhalb der 30-km-Zone um den Reaktor werden in der Nähe von Tschetschersk Belastungen von über 60 Ci/km² (Cäsium 137) gemessen. Die Kontamination mit Strontium 90 und Plutonium ist vor allem im Gebiet Gomel festzustellen, Belastungen mit 2 bis 3,2 Ci/km² (Strontium 90) werden in den Kreisen Choiniki und Bragin gemessen.

Die ersten Gäste, die in den Odenwald kamen, waren aus diesen belasteten Kreisen: Tschetschersk, Choiniki, Bragin und Narowlja (wo eine Kontamination durch Plutonium 238, 239, 240 mit 01, Ci/km² vorliegt). Inzwischen wurden aber viele der Familien aus den Anfängen unserer Aktivitäten umgesiedelt. Sie leben zum größten Teil in Minsk, ohne auf die Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen siedelte man die Landbevölkerung in Stadtregionen um.

Die Auswahl von Kindern die das erste Mal zu uns kommen, erfolgt nach folgenden Gesichtspunkten:
1. sie müssen aus den durch hohe Kontamination belasteten Bezirken kommen,

2. müssen sie zu den sozial benachteiligten gehören: hierzu zählen die Kriterien Kinderzahl und Familieneinkommen. Für uns erstaunlich gehören besonders Akademiker zu dieser Gruppe (Erklärung: Akademiker gehören zu den schlechtesten Verdienern).

Im Laufe der Jahre verstärkte sich der Kontakt vor allem mit Choiniki, Bezirk Gomel. Dort werden die Kinder von einer Betreuerin, die vom ersten Besuch an schon hier im Odenwald zu Gast war, in Verbindung mit den Schulleitern vor Ort, nach unseren Gesichtpunkten, ausgewählt. Im Herbst 1994 und über Ostern 1998 und 2001 war ich selbst mit weiteren Gasteltern in Choiniki zu Besuch und konnte mich dabei davon überzeugen. In dieser Woche habe ich viele Kinder besucht, die schon bei uns im Odenwald zu Besuch waren, oder demnächst eingeladen werden.